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ACT Beratung Berlin

ACT verstehen · 03 / 04

Relational Frame Theory

Warum ein einziger Satz etwas in uns auslösen kann, obwohl gerade nichts passiert.

Menschen können durch Sprache Beziehungen zwischen Dingen herstellen. Genau diese Fähigkeit macht komplexes Denken möglich – kann aber auch dazu führen, dass Erinnerungen, Bewertungen oder Vorstellungen unser gegenwärtiges Verhalten stark beeinflussen.

„Ich werde scheitern.“

BildErinnerungGefühlVerhalten
Drei Wörter – und was sie in Bewegung setzen können.

Ein einfaches Gedankenexperiment

„Ich werde scheitern.“

Auf dem Bildschirm stehen zunächst nur drei Wörter.

  • ein Bild erzeugen
  • Erinnerungen aktivieren
  • körperliche Anspannung auslösen
  • Verhalten verändern
  • dazu führen, dass wir etwas vermeiden

Wie kann Sprache das?

Genau diese Art von Phänomen versucht Relational Frame Theory (RFT) zu untersuchen.

Wir denken in Beziehungen

Menschen können zum Beispiel folgende Beziehungen herstellen:

größer als · kleiner als · früher als · später als · besser als · schlechter als · gehört zu · Gegenteil von · ähnlich wie

  • BERLIN
  • gehört zu Deutschland
  • größer als Friedrichshain
  • weit weg von München
  • Ort meiner Wohnung
  • Ort meiner Arbeit

Ein Objekt erhält Bedeutung nicht isoliert, sondern durch seine Beziehungen zu anderen Dingen. „Berlin“ ist nicht einfach nur ein Wort – es steht in Beziehung zu einem Land, zu anderen Orten, zu einem eigenen Leben.

A ist größer als B.

B ist größer als C.

Also: A ist größer als C.

Diese Schlussfolgerung lässt sich ableiten, selbst wenn uns die Beziehung zwischen A und C nie direkt beigebracht wurde.

Drei Grundideen – einfach erklärt

RFT beschreibt einige Grundmuster, nach denen dieses relationale Denken funktioniert. Hier die drei wichtigsten, ohne Fachjargon vorauszusetzen.

01

Beziehungen wirken in beide Richtungen

Wenn ich lerne, dass A größer als B ist, ergibt sich daraus auch eine Beziehung von B zu A – nämlich, dass B kleiner als A ist. Diese zweite Beziehung musste nie einzeln gelernt werden.

mutual entailment

02

Beziehungen lassen sich kombinieren

Wenn A größer als B ist und B größer als C, lässt sich daraus ableiten, dass A auch größer als C ist – wie im Beispiel oben, ganz ohne diese konkrete Beziehung je gelernt zu haben.

combinatorial entailment

03

Bedeutung kann sich übertragen

Wenn sich die Bedeutung oder Beziehung eines Reizes verändert, kann sich auch verändern, wie wir emotional oder verhaltensmäßig darauf reagieren – auch ohne direkte eigene Erfahrung mit diesem Reiz.

transformation of stimulus functions

Das Problem ist nicht, dass wir Sprache haben.

Diese Fähigkeit ist enorm nützlich. Sie ermöglicht unter anderem:

Planen · Lernen · Erinnern · Probleme lösen · Kultur · Zusammenarbeit · Zukunftsvorstellungen

Dieselbe Fähigkeit ermöglicht aber auch Sätze wie diese:

  • „Was, wenn …?“
  • „Ich bin …“
  • „Ich hätte …“
  • „Andere denken bestimmt …“
  • „Das darf nicht passieren.“

Wir können unter Ereignissen leiden, die nur noch als Erinnerung existieren – oder noch gar nicht passiert sind.

Und was hat das mit ACT zu tun?

ACT versucht normalerweise nicht, Sprache abzuschaffen oder jeden schwierigen Gedanken durch einen positiveren Gedanken zu ersetzen. Stattdessen kann es darum gehen, die Beziehung zu einem Gedanken zu verändern.

ICH BIN NICHT GUT GENUG.

ICH HABE DEN GEDANKEN: „ICH BIN NICHT GUT GENUG.“

DA IST GERADE DER GEDANKE: „ICH BIN NICHT GUT GENUG.“

Der Inhalt der Wörter hat sich kaum verändert. Die Beziehung zu ihnen kann sich jedoch verändern.

Das ist eine der Ideen hinter kognitiver Defusion.

Grundlagen der ACT

Sprache ist weder Feind noch Freund

Sprache und Denken sind Werkzeuge – enorm leistungsfähig, aber ohne feste moralische Richtung.

Ob ein Gedanke hilfreich oder hinderlich ist, hängt auch davon ab, wie er in einer bestimmten Situation unser Verhalten beeinflusst – nicht allein davon, ob er wahr oder falsch ist.

Nicht jeder Gedanke muss widerlegt werden. Manchmal reicht es, ihn als Gedanken erkennen zu können.

Ein kleines Alltagsbeispiel

Du möchtest jemanden um etwas bitten.

„Die Person wird mich bestimmt ablehnen.“

Fusion

Gedanke

wird wie eine Tatsache behandelt

keine Anfrage

Defusion / Flexibilität

Gedanke wird wahrgenommen

Unsicherheit darf da sein

Handlung nach Wert möglich

Kein Versprechen, dass die zweite Variante immer besser oder richtig ist. Der Kontext entscheidet.

Wie tief muss ich RFT verstehen?

Für eine ACT-basierte Beratung musst du RFT überhaupt nicht kennen.

Die Theorie erklärt einen Teil des wissenschaftlichen Hintergrunds. In einer Sitzung arbeiten wir mit deinem konkreten Erleben – nicht mit theoretischen Definitionen.

Du musst RFT nicht verstehen, um in der Beratung weiterzukommen.

ACT arbeitet mit deinem konkreten Erleben – die Theorie bleibt im Hintergrund.

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