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ACT Beratung Berlin

ACT verstehen · 02 / 04

Die Geschichte der ACT

Von der Frage, warum Menschen unter ihren eigenen Gedanken leiden können, zu einem Modell psychologischer Flexibilität.

Acceptance and Commitment Therapy ist nicht an einem einzigen Tag entstanden. Sie wuchs über mehrere Jahrzehnte aus Forschung zu Verhalten, Sprache und menschlichem Leiden heran – und wird bis heute wissenschaftlich weiterentwickelt.

ACT entstand nicht als fertige Methode.

Acceptance and Commitment Therapy hat keinen einzelnen Gründungsmoment. Sie entstand aus einer längeren Linie verhaltenswissenschaftlicher Forschung – geprägt von Behaviorismus und Verhaltensanalyse, also der Frage, wie Verhalten durch seinen Kontext und seine Konsequenzen geformt wird.

Im Lauf der 1980er Jahre rückte eine weitere Frage in den Vordergrund: Welche Rolle spielt menschliche Sprache dabei, dass Menschen unter ihren eigenen Gedanken leiden können? Aus dieser Frage entwickelte sich parallel ein Forschungsprogramm zu Sprache und Kognition, das später eng mit der klinischen Arbeit verflochten wurde.

Dabei ging es nie nur darum, welche Gedanken oder Gefühle auftreten, sondern welche Funktion sie in einem bestimmten Kontext haben – und wie eine Person darauf reagiert. Dieser Blick auf Kontext und Funktion, statt allein auf Inhalt, prägt die Denkweise hinter ACT bis heute.

Was heute als ACT bekannt ist, war also kein fertiges Konzept, das an einem bestimmten Datum vorgestellt wurde, sondern das Ergebnis eines Entwicklungsprozesses, der sich über Jahrzehnte erstreckte – und der bis in die Gegenwart weiterläuft.

Eine Entwicklung über Jahrzehnte

Keine vollständige Chronik, sondern zentrale Wegmarken einer Forschungslinie, die bis heute weiterläuft.

  1. 1980er Jahre

    Erste klinische Arbeiten entstehen rund um das, was zunächst als „cognitive distancing“ bzw. „comprehensive distancing“ bezeichnet wird – ein früher Vorläufer dessen, was später zu ACT wird.

  2. 1986

    Eine der frühen randomisierten Untersuchungen aus dem späteren ACT-Forschungsprogramm wird veröffentlicht – ein Ausgangspunkt für die empirische Prüfung des Ansatzes.

  3. Anfang der 1990er Jahre

    Der Begriff „Acceptance and Commitment Therapy“ etabliert sich für den sich entwickelnden Ansatz.

  4. 1994

    Eine frühe Fachpublikation trägt „Acceptance and Commitment Therapy“ bereits im Titel.

  5. Späte 1990er / frühe 2000er

    Relational Frame Theory (RFT) und ACT entwickeln sich als miteinander verbundenes Grundlagen- und Anwendungsprogramm weiter – Theorie und klinische Praxis wachsen parallel.

  6. 2000er

    ACT wird zunehmend international erforscht und im Kontext der sogenannten „dritten Welle“ der Verhaltenstherapie diskutiert.

  7. 2010er

    Psychologische Flexibilität wird immer stärker zum zentralen organisierenden Modell hinter ACT.

  8. 2020er

    Die ACT-Forschung umfasst inzwischen zahlreiche Länder und Anwendungsbereiche. Eine Analyse von Hayes & King (2024) untersucht rund 1.000 randomisierte kontrollierte ACT-Studien aus dem Zeitraum 1986–2022.

Eine zentrale Figur: Steven C. Hayes

Steven C. Hayes ist Psychologe und emeritierter Professor der University of Nevada, Reno. Seine Forschung beschäftigt sich unter anderem mit menschlicher Sprache und Kognition, mit Relational Frame Theory, mit Acceptance and Commitment Therapy, mit psychologischer Flexibilität und mit kontextueller Verhaltenswissenschaft.

ACT ist dabei nicht die Arbeit einer einzelnen Person, sondern das Ergebnis eines Forschungsfelds, an dem über Jahrzehnte viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mitgewirkt haben.

Forschungsschwerpunkte

  • Menschliche Sprache und Kognition
  • Relational Frame Theory
  • Acceptance and Commitment Therapy
  • Psychologische Flexibilität
  • Kontextuelle Verhaltenswissenschaft

Von Verhalten zu Kontext

Innerhalb der ACT ist nicht nur relevant, welche Gedanken oder Gefühle bei einer Person auftreten, sondern welche Funktion sie in einem bestimmten Kontext haben – und wie die Person darauf reagiert. Derselbe Gedanke kann in einer Situation kaum auffallen und in einer anderen das eigene Verhalten stark einschränken.

Diese Perspektive bildet eine Brücke zum sogenannten funktionalen Kontextualismus und zur Relational Frame Theory – einer Theorie darüber, wie Sprache und relationales Denken menschliches Erleben mitgestalten.

Relational Frame Theory verstehen

Warum ACT manchmal zur „dritten Welle“ gezählt wird

In Übersichten der Verhaltenstherapie wird häufig zwischen mehreren Entwicklungsphasen unterschieden. Diese Einteilung ist vereinfachend, aber hilfreich, um die Entwicklung einzuordnen.

Erste Welle

Der Fokus liegt auf beobachtbarem Verhalten und den Prinzipien der Lerntheorie.

Zweite Welle

Kognitionen rücken stärker in den Blick: wie Gedanken und Bewertungen Verhalten mitbestimmen.

Sogenannte dritte Welle

Ansätze wie ACT betonen zusätzlich Kontext, Funktion, Achtsamkeit, Akzeptanz und ein flexibles Verhaltensrepertoire.

Diese Wellen lösen sich nicht gegenseitig ab, und keine widerlegt die vorherige. Sie beschreiben eher unterschiedliche Schwerpunkte innerhalb eines gemeinsamen wissenschaftlichen Feldes. Die Einordnung als „dritte Welle“ ist damit kein Beleg dafür, dass ACT einem anderen Ansatz wie der klassischen kognitiven Verhaltenstherapie überlegen wäre – beide werden bis heute parallel erforscht und angewendet.

Heute: psychologische Flexibilität

Der Begriff ACT bezeichnet heute mehr als eine bestimmte Sammlung von Übungen oder Techniken. Im Zentrum steht zunehmend ein Modell: psychologische Flexibilität – die Fähigkeit, im gegenwärtigen Moment präsent zu sein, sich schwierigen Gedanken und Gefühlen zu öffnen und dennoch in Richtung der eigenen Werte zu handeln.

Dieses Modell wird bis heute weiter erforscht, differenziert und in unterschiedlichen Bereichen angewendet – von klinischer Arbeit bis zu alltäglichen Situationen.

Grundlagen der ACT

Der Begriff ACT bezeichnet heute vor allem ein Modell: psychologische Flexibilität.

Quellen & Weiterlesen

  • Hayes, S. C., Strosahl, K. D. & Wilson, K. G. — Acceptance and Commitment Therapy: The Process and Practice of Mindful Change.
  • Hayes, S. C. (2004) — Acceptance and Commitment Therapy, Relational Frame Theory, and the Third Wave of Behavioral and Cognitive Therapies.
  • Hayes, S. C. & King, J. (2024) — Übersichtsanalyse zu rund 1.000 randomisierten kontrollierten ACT-Studien aus dem Zeitraum 1986–2022.
  • Association for Contextual Behavioral Science (ACBS) — internationale Fachgesellschaft für ACT, RFT und kontextuelle Verhaltenswissenschaft.

Von der Theorie zurück ins echte Leben.

Geschichte und Theorie sind ein Hintergrund – keine Voraussetzung dafür, ins Gespräch zu kommen.

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